Barrierefreiheit ist Menschenrecht

Veröffentlicht am Montag, 21. November 2016 von Franz Schmahl von kobinet.ev

Gabriel Nistor Gabriel Nistor
© Foto: Privat

Wuppertal/Berlin (kobinet) Der Deutsche Behindertenrat hat zu seinem Jahrestreffen am 30. November in Berlin das Thema "Barrierefreiheit ist Menschenrecht" gewählt. Gabriel Nistor aus Wuppertal ist in der Gehörlosenszene aktiv und würde gern daheim die Diskussion in Deutscher Gebärdensprache verfolgen. Das ist schon länger technisch möglich, aber mit Aufwand und natürlich auch Kosten für den Veranstalter verbunden.

Über Sprachbarrieren, die gehörlose Menschen von gesellschaftlicher Teilhabe ausgrenzen und deren Selbstbestimmung behindern, äußert sich heute Gabriel Nistor für kobinet.

Von der Diskussion in Berlin erwartet der Wuppertaler ein Zeichen, dass mehr getan wird, die Gesellschaft für den Umgang mit Gehörlosen zu sensibilisieren. Viele seien unsicher im Umgang mit Hörbehinderten: "Fast überall sind Fernsprechanlagen (Parkhäuser, automatische Schlagbaum-Anlagen, Polizeistationen) installiert. Diese sind nicht mal visualisiert (Bildschirm mit Text und Anweisungen). Mir ist schon mal vorgekommen, dass mich ein Beamter vom Polizeipräsidium angeschnauzt hat, weil ich nicht in die Fernsprechanlage gesprochen habe. Wie und woher sollte ich es wissen, wenn ich Geräusche beziehungsweise Fragen nicht mitbekommen habe?"

Kultur- und Bildungseinrichtungen müssen für gehörlose Menschen zugänglich sein und mittels Dolmetschereinsatz oder Gebärdensprachvideos barrierefrei gestaltet werden: "Jeder hat das Recht auf barrierefreie (Weiter-)Bildung, unabhängig vom Beruf (gemäß dem Motto: lebenslanges Leben)." 

Die im Video vor der Berliner Humboldt-Universität am 23. April 2014 geäußerte Kritik an den Eingliederungshilfeverordnungen bleibt aktuell angesichts des Regierungsentwurfs für ein Gesetz, das angeblich Teilhabe und Selbstbestimmung stärken soll: "Eingliederungshilfe soll nach dem Teilhabegesetz in der jetzigen Form nur bekommen, wer in 5 von 9 Lebensbereichen Unterstützung braucht. Das muss herausgenommen werden. Für Menschen mit Hörbehinderung hätte das enorme negative Folgen ... Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe beginnt bei 1 aus 9 Lebensbereichen."


Originalverlinkung zu Bericht:
http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/35005/Barrierefreiheit-ein-Menschenrecht.htm

 
 
 
 
 
 
 
 

©2016 Gehörlosenverband Bergisch Land e.V. | erstellt von Frank Brüggemann / Gabriel Nistor